Ausrichtung in der jetzigen Zeit

Die vergangenen Monate waren im Außen sehr ungewöhnlich und enthielten viele Zäsuren. Oft war es nicht leicht, sich auf das innere Gleichgewicht und die eigene tiefste Wahrheit und Stimmigkeit zu besinnen, wenn im Außen die Wellen hoch schlugen. Und vielleicht rissen die hohen Wellen einen auch manchmal mit und man landete an einem ganz anderen Punkt, weit weg von der eigenen Mitte.

Wir leben in einer Welt der Gegensätze, der Polaritäten. In der Polarität steht uns ein unglaublich weiter Erfahrungsraum zur Verfügung, eine riesige Bandbreite von Möglichkeiten. Die Bandbreite reicht von einem Extrem zum anderen Extrem und beinhaltet unzählige Zwischenstufen.

Oft ist es schwer, bei dieser großen Auswahl von möglichen Positionen diejenige zu finden, die für uns momentan stimmig ist.
Und es ist schwer, sich diese Position nicht fest zu eigen zu machen und sich dort nicht starr einzurichten sondern immer wieder neu zu schauen, ob es in diesem Moment die richtige Position ist.
Was gestern für einen selbst noch richtig und wahr war, kann heute schon wieder ganz anders sein.

Manchmal neigen wir dazu, die Qualitäten des einen Pols für wichtiger oder wertvoller zu halten als die des anderen Pols. Aber wenn wir einen Pol als Dauerzustand erleben, spüren wir meist, wie sehr uns die Qualitäten des anderen Pols fehlen und wir freuen uns auf das Andere, den Ausgleich.
Meist ist es die Einheit der beiden Extreme, das Sowohl-als-Auch, das zu Wohlgefühl und einem inneren Gefühl von Stimmigkeit führt.

Es braucht die Extreme, die Pole, als Möglichkeit, um sich dazwischen immer wieder neu ausrichten zu können.

Auch wenn es scheinbar eindeutig ist, dass die eigene Sicht oder die Sicht der einen Gruppe die (einzig) richtige sei, verlangen Achtsamkeit, Menschlichkeit und Demokratie, mit Andersdenkenden/ Andersfühlenden/ Andersglaubenden (dennoch) wertschätzend und respektvoll umzugehen.

Momentan wirkt es im Außen so, als hätten sich in den letzten Monaten zwei gegensätzliche Gruppen in der Bevölkerung gebildet, was die Sicht auf die aktuellen Ereignisse betrifft: einerseits die Befürworter andererseits die Kritiker/Gegner der politischen Entscheidungen und Maßnahmen.
Beide Lager beanspruchen die Wahrheit für sich und sprechen und verhalten sich zunehmend ungehalten und verurteilend gegenüber den Anderen.

Dieses Verurteilen oder Abwerten Andersdenkender (Andersglaubender/ Anderswissender) kann leicht eine Spaltung bewirken, nicht nur in der Bevölkerung allgemein sondern auch in Freundschaften, Familien, Partnerschaften. Und in der Spaltung wird das Unverständnis und das Gegeneinander noch verstärkt.

Aus meiner Sicht gilt es auch hier, beide Seiten wahrzunehmen und wertzuschätzen und sich zu erinnern, dass polare Gegensätze zusammengehören und eine Einheit bilden.

Extreme und Polaritäten bieten uns die Möglichkeit, uns immer wieder neu auszurichten.

Herzliche Grüße
Anja Trude

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